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Eichenkranz präsentiert Graffiti und Katalog der „Young Artists“
- Veröffentlicht von Andreas Greiner
Der Wörlitzer Park ist bekannt für seine Sichtachsen, zu denen der Toleranzblick zählt. Dieser verbindet von einem einzigen Standort aus die Sicht über eine heidnische Urne zur Synagoge und zur Stadtkirche. Er steht als Symbol für die religiöse Toleranz und die Geisteshaltung im 18. Jahrhundert als der Epoche der Aufklärung.
Und so stand in Wörlitz auch der August 2026 im Zeichen des Mauerabbaus, der Annäherung und des Verständnisses. Im Beisein Dr. Reiner Haseloffs, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches (GdF), wurden am 23. August die Ergebnisse des Jugendprojektes „Young Artists in GARTENREICH“ zum Thema „Toleranz bei Fürst Franz und heute – Urbane Kunst weist den Weg“ präsentiert. Rund 100 Personen wohnten der Ausstellungseröffnung im historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ bei.
Urban Art erzeugt Begeisterung
Unter Berücksichtigung der rechtlichen Rahmenbedingungen war das Thema Toleranz vom 21. bis 26. Juni anhand von Graffiti beziehungsweise Urban Art – die als Kunstform in der Stadtgesellschaft häufig als „Schmierereien“ wahrgenommen werden – entwickelt worden. Angeleitet wurden die Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren der beiden Gymnasien „Paul Gerhardt“ in Gräfenhainichen und „Philanthropinum“ in Dessau sowie der Sekundarschule „Friedensschule“ aus Dessau von den beiden Dessauer Künstlern Jabob Wolf und Joerg Schnurre.
Graffiti und Urban Art erzeugten viel Begeisterung, wenn sie an der richtigen Stelle seien und wenn die richtige Botschaft vermittelt werde. Dann werde es sehr spannend. Man könne gesellschaftliche Debatten anregen und bereichern. Doch wenn es nur noch darum ginge, dass es eigentlich eine Schmiererei sei, eine Sachbeschädigung, dann habe der Künstler sein Ziel verfehlt, so Joerg Schnurre während der Festveranstaltung.
Ideen haben universelle Geltung
In Vorbereitung auf den 300. Geburtstag Moses Mendelssohns als einem bedeutenden deutsch-jüdischen Philosophen der Aufklärungsepoche war das Jugendprojekt dieses Jahr von der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft Dessau (MMG) begleitet worden. „Das Besondere des Aufklärers Mendelssohn war, dass er Jude war. Damals ein Angehöriger einer isolierten und sich selbst isolierenden Gruppe am Rande der christlich geprägten Gesellschaft“, so Dr. Bernd Ulbrich, stellvertretender Vorsitzender der MMG.
Weiterhin habe Mendelssohn einerseits zwar die Frage nach der Toleranz der Christen gegenüber den Juden gestellt, andererseits aber auch erkannt, dass die Ideen der Aufklärung wie Humanität, Menschenrechte und Menschenwürde universelle Geltungen besitzen und folglich auch für seine eigene Glaubensgruppe, die Juden relevant seien. „Er wurde deshalb zum Ausgangspunkt einer innerjüdischen Aufklärungsbewegung, welche die eigene Kultur und Religion kritisch durchleuchtete“, hob er während seiner Festrede hervor.
Das fürstliche Bibliothekszimmer im Wörlitzer Schloss zeigt ein Bildnis Moses Mendelssohns. Folgerichtig zeigen einige Graffiti-Motive Brücken, die dazu ermahnen, dass verbindende Elemente von zwei Seiten aus, von beiden Ufern her geplant und gebaut werden müssen.
Von Joachim Landgraf ins Leben gerufen
Bereits zum sechsten Mal ließen sich Schüler für das einst von Joachim Landgraf in Funktion des GdF-Geschäftsführers ins Leben gerufene Jugendprojekt begeistern.
Bisherige Mottos waren 2025 „Faszination des Exotischen: Die China-Mode bei Fürst Franz mit der Kunstform des Manga erschließen“; 2024 „Architektur und Natur im Gartenreich: Auf den Spuren Basedows lernen von und mit Carl Wilhelm Kolbe – Erstellen und Drucken von Kaltnadelradierungen“; 2023 „Integration als Aufgabe der Aufklärung am Beispiel des Artenschutzes im Gartenreich unter den Bedingungen des Klimawandels – Ein Fotoprojekt“; 2022 „Dessau-Wörlitzer Gartenreich: Wege der Toleranz und Weltoffenheit“; 2021 „Unterwegs im Gartenreich“.
Führung und Katalog
Die Ausstellung kann bis Frühjahr 2027 jeweils samstags, sonntags und feiertags im Rahmen der öffentlichen Gästeführung durch den historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ besichtigt werden. Der 30-seitige Ausstellungskatalog kostet 5 Euro und lässt sich über die Geschäftsstelle der "Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches" beziehen. (ah; Fotos: ah/DrGW)