Der „Ohrlose Hirsch von 16 Enden“ von Kupferstecher Martin Elias Ridinger (1730–1780) stellt ein eindrückliches Zeugnis der frühen Dessau-Wörlitzer Kulturlandschaft dar. Denn hinter dem Wildtier sind die Vorgängeranlagen des heutigen „Luisiums“ in Dessau-Waldersee zu sehen – ein Gehöft, das frühe anhaltische Jagdgesellschaften bewohnten.
Der Jagd als Privileg des Adels widmete sich die diesjährige Jahrestagung der Dessau-Wörlitz-Kommission (DWK) am 3. und 4. September im historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“, die von Maik Strömer, stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches (GdF), eröffnet wurde.
Die Thematik ist facettenreich. Einerseits galt die Jagd als Bestandteil adelig-fürstlicher Lebensführung, andererseits war die Jagdpraxis des Adels im ausgehenden 18. Jahrhundert in die Kritik geraten. So führte ihr Umgang in der Zeit der Aufklärung zu Anpassungen und Veränderungen. Zahlreiche Beispiele sowohl betreffend Fürst Leopold III. Franz von Anhalt-Dessau als auch bezüglich Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach oder Karl Theodor von der Pfalz, dem wohl das (Schmäh-)Lied „Ein Jäger aus Kurpfalz“ gewidmet sein soll, wurden nachvollziehbar thematisiert.
Ein Tagungskatalog ist seitens des unterstützenden IZEA - Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg geplant. (ah, Fotos: ah; KsDW/Heinz Fraessdorf)