Am 13. September 2026 las der russisch-deutsche Schriftsteller und Kolumnist Wladimir Wiktorowitsch Kaminer erneut im historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ in Wörlitz. Seit 2019 tritt er regelmäßig im Veranstaltungssaal auf. Insgesamt 170 Personen lauschten den Geschichten seines Buches „Müttertage – Geschichten von den Heldinnen des Alltags“ (2026, Goldmann Verlag, 240 Seiten).
„… Mit dem Alter neigen viele Menschen dazu, die Welt durch eine „schwarze“ Brille zu sehen, weil sie ihr eigenes Unwohlsein mit den Problemen der Welt verwechseln. Deswegen findet man unter den Hochbetagten überdurchschnittlich viele Apokalyptiker, während die Jugend weiterhin optimistisch kifft, Zäune und Hausfassaden mit knalligen Farben besprüht und hofft, dass alles besser wird.
Meine Mutter ist zum Glück eine Ausnahme, eine vernünftige Optimistin. Mit ihren 94 Jahren findet sie nach wie vor, dass früher alles schlecht war und genauso schlecht geblieben ist. Alles dreht sich im Kreis, alle Nachrichten hat es schon mal gegeben.
Und sie schafft es noch immer, aus der trüben Flut der grausigen News immer etwas Lebensbejahendes herauszufischen. Dementsprechend freute sie sich über die Nachricht „Wal verschluckt Kajakfahrer und spuckt ihn lebendig aus“. „Schon wieder!“, schüttelte Mama den Kopf, als würden die Wale jeden Mittwoch mit Menschen spucken. Was meinst Du?, fragte ich. „Das Schöne am Leben ist, dass es trotz allem weiter geht …“
Ein weiterer Auftritt Kaminers ist für September 2027 geplant. (ah, Fotos: GdF)