Historie
Der Eichenkranz - eine standesgemäße Unterkunft
Die Einzigartigkeit des von Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) geschaffenen englischen Gartens zu Wörlitz lockte in den 1780er Jahren immer mehr Bildungsreisende, unter ihnen Adel, Gelehrte und Künstler, in das Fürstentum Anhalt-Dessau. Sie alle benötigten eine standesgemäße Unterkunft, wollten sie nicht ständig im Schloss des Fürsten zu Gast sein.
Unterkunft und Treffpunkt
Um seinen Gästen größere Freiheit und Zwanglosigkeit zu geben, gab Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau den Bau eines Gästehauses in Auftrag, das im Jahr 1787 nach nur zweijähriger Bauzeit als Gasthof „Zum Eichenkranz“ und Tor zur Parkstadt Wörlitz eröffnet wurde. Experten sind sich sicher, dass des Fürsten Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff dieses architektonische Kleinod entwarf. Nach seiner Fertigstellung schenkte der Fürst den Gasthof seinem Baudirektor Christoph Hesekiel. Der "Eichenkranz" wurde sowohl Unterkunft als auch Treffpunkt, um zu debattieren, zu philosophieren und von dort aus die Schönheiten des Wörlitzer Parks zu erkunden.
Der Eichenkranz verfällt in einen Dornröschenschlaf
Als Gasthof mit Unterkünften, Gastronomie und als Veranstaltungsort wurde der "Eichenkranz", wenn auch in kleinerem Rahmen, noch bis in die Gegenwart betrieben. Erst kurz nach 1990 schloss das Haus endgültig und war so einem weiteren Verfall Preis gegeben, den die vielen Besucher des Gartenreiches mit tiefem Bedauern wahrnahmen.
Ein neuer Anfang ist gemacht
Im Juni 2002 ergriff der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches e. V., Professor Dr. Rolf Budde, die Initiative zur Rettung des geschichtsträchtigen Bauwerkes.
Getragen von der gemeinsamen, kühnen Vision weiterer Vorstandsmitglieder, den "Eichenkranz" als einem der wichtigen Bauwerke im Welterbe Gartenreich mit dem Ziel zu sanieren, ihn als kulturelles und gesellschaftliches Zentrum der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen, übernahm die Gesellschaft nach der Zustimmung des Vorstandes und der Mitglieder den "Eichenkranz" im April 2004 von der Stadt Wörlitz mit einem Erbbaupachtvertrag für neunzig Jahre - bis anno 2094.
Fördermittel und ein gutes Team für den Neustart
Nun begann eine Erfolgsgeschichte, die vom großen Mut, enormen Enthusiasmus und viel Tatendrang des ehrenamtlichen Wirkens vieler Mitglieder der Gesellschaft getragen wurde. Durch Spenden, Benefizveranstaltungen und verschiedene Aktionen wie beispeilsweise die Sponsorsteinwand im angrenzenden Kaffeegarten wurden für Förderanträge notwendige Eigenmittel aufgebracht. Bis zum Jahr 2008 konnten so 700.000 Euro Fördermittel des Landes Sachsen-Anhalt für erste Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen verwandt werden.
Ein im Juni 2008 in der Zeitschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz „Monumente“ veröffentlichter, vierseitiger Artikel unter dem Titel „Stifter gesucht“ hat diesem eigentlich artfremden Projekt eines Kulturvereins einen ganz besonderen Schub gegeben. Eine anonyme Wohltäterin las diesen Artikel sehr aufmerksam und spendete schließlich den unglaublich großzügigen Betrag von
1 Million Euro für das Vorhaben. Mit diesem Eigenkapital konnten Zuwendungen der Europäischen Union, des Bundes und des Landes
in Höhe von 2 Millionen Euro aus dem „Kulturinvestitionsprogramm“ für die Sanierung des "Eichenkranz" erschlossen werden.
Engagement und Eigeninitative
Es folgten umfangreiche ehrenamtliche Einsätze der Mitglieder der Gesellschaft zur Beräumung des Gebäudes sowie zur Sicherstellung noch vorhandener Gegenstände der Einrichtung, Einrüstung der Fassade, Abdichtung der Dächer, Reparatur der Dachentwässerung, Abbruch von Gebäudeteilen, Schwammsanierung,
Trockenlegung des Gebäudekomplexes, Rohbau-, Zimmerer- und erste Ausbauarbeiten am Hauptgebäude, Sanierungsarbeiten am Gartenpavillon, am Saalanbau sowie am Badehaus, Herrichtung der Außenanlagen.
Hinzu kamen Voruntersuchung und Planung für das Hauptgebäude, Fortsetzung der Grundsanierung des Saales (Innenausbau, Heizung, Lüftung), Neuerrichtung des Wirtschaftsgebäudes, Gesamtmaßnahme der baulichen Restaurierung des Hauptgebäudes in allen Bau- und Ausbaugewerken (einschließlich Brandschutz, Sicherheits- und Nachrichtentechnik), Fertigstellung des Saales sowie der Außenanlagen.
Verborgene Schätze bewahren
Der einstige Gasthof beherbergte einen Schatz: über 200 Quadratmeter historische Leinwandtapeten, die in verschiedenen Räumen zum Teil als Reste vorgefunden wurden. Die teilweise mehrfach mit Papiertapeten überklebten oder überstrichenen Tapeten stammen alle aus der Ursprungszeit des "Eichenkranzes" und mussten gerettet werden. Bereits im Jahr 2006 konnten diese Reste der Leinwandtapeten gesichert werden.
Die "Ostdeutsche Sparkassenstiftung" und die "Sparkasse Wittenberg" konnten in der Überzeugung von der Einzigartigkeit des Vorhabens für die Finanzierung der aufwendigen Restaurierung dieser historischen Leinwandtapeten gewonnen werden. Die Restaurierungsarbeiten begannen 2010 und endeten 2015. Damit ist eine weitere Attraktion im sanierten Gebäude zu erleben.
Mit feiner Hand zu neuem Glanz
Der mit restaurierten Leinwandtapeten komplett ausgestattete „Raum mit den blauen Masken“ vermittelt einen ersten eindrucksvollen Einblick in diesen besonderen Schatz des Eichenkranzes. Im Jahr 2015 folgten weitere Räume, in denen die mit verschiedenen Motiven gestalteten restaurierten Leinwandtapeten zu sehen sein werden.
Neues Leben im Eichenkranz
Bereits während der abschließenden Bauarbeiten ist wieder Leben in den historischen Gasthof „Zum Eichenkranz“ eingezogen. Seit vier Jahren finden jeweils im September Konzerte der Anhaltischen Kammermusiktage im großen Veranstaltungssaal statt. Das Kurt-Weill-Fest Dessau hat erstmalig 2014 begeistert gefeierte Aufführungen im "Eichenkranz" durchgeführt und bot 2015 sechs Veranstaltungen dem Festival-Publikum in Wörlitz an. Konzerte zu verschiedenen Anlässen, Lesungen, Theateraufführungen und musikalisch-kulinarische Veranstaltungen haben den Eichenkranz bereits in der Öffentlichkeit als kulturelles Zentrum im Dessau-Wörlitzer Gartenreich bekannt gemacht.
"Hier ists jetzt unendlich schön!"
Mit der im Juni 2014 eröffneten Dauerausstellung „Hier ists jetzt unendlich schön!“ wird die Historie der europäischen Gartenkunst wirkungsvoll veranschaulicht. Eine Vielzahl von Leihgaben der "Kulturstiftung Dessau-Wörlitz" zeigt die Entwicklung bis zum ersten englischen Garten auf dem europäischen Festland durch Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau in Wörlitz. Die hervorragenden Miniaturmodelle von Schloss, Küchengebäude, Pantheon, der Insel Stein und vom gesamten Wörlitzer Park ermöglichen einen erweiterten Blick auf das Gartenreich und regen zum Besuch der Originale an.
Die Ausstellung ist von April bis Oktober auf geführten Rundgängen durch den "Eichenkranz" jeweils samstags, sonntags und feiertags erlebbar.
Den "Eichenkranz" weiterhin erlebbar machen
Darüber hinaus stehen verschiedene Räume des "Eichenkranzes" zur Vermietung für verschiedenste Anlässe bereit. So fanden hier bereits Konferenzen, Arbeitstagungen, festliche Zusammenkünfte sowie Meetings und Kamingespräche von Institutionen und Einrichtungen in der Vergangenheit statt.
Vierter Vorsitz führt Engagement weiter
Mit seiner Wahl zum nunmehr vierten Vorstandsvorsitzenden führt Dr. Reiner Haseloff, ehemals achter Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, das Engagement seiner Vorgänger weiter. Die Gesellschaft als Institution wurde 1993 von Dr. Gert Hoffmann, Verwaltungsjurist und ehemals erster Präsident im Regierungsbezirk Dessau, gegründet und ab 2002 von Professor Dr. Rolf Budde, Verleger und ehemals Präsident des Deutschen Musikverleger-Verbandes, sowie ab 2019 von Dr. Thomas Holzmann, Jurist und ehemals Vizepräsident des Umweltbundesamtes Dessau, weitergeführt.