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Nachruf auf Prof. Dr. Erhard Hirsch

Forscher, Mentor, Gartenreich-Aktivist: Erhard Hirsch 2008 in seiner halleschen Wohnung  | Foto: mit freundlicher Genehmigung Andreas Stedtler

Die Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs trauert um ihr Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Erhard Hirsch, der dem Gartenreich über viele Jahre hinweg eng verbunden war und dessen Arbeit er mit großer fachlicher Tiefe und persönlichem Engagement prägte.

Prof. Dr. Erhard Hirsch wuchs in Dessau auf. Dort legte er 1947 auch das Abitur ab. Von 1948 bis 1953 studierte er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Klassische Philologie und Germanistik.

Hirsch hat sich um den Erhalt des Gartenreich Dessau-Wörlitz große Verdienste erworben. Dafür erhielt er 1997 den Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalt und im Jahre 2001 wurde er in Anerkennung seiner Lebensleistung für das inzwischen zum Weltkulturerbe erhobene Dessau-Wörlitzer Gartenreich mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Prof. Hirsch verstand das Dessau-Wörlitzer Gartenreich nicht allein als herausragendes Werk der Landschaftskunst, sondern als geistiges Kernprojekt der Dessauer Aufklärung. In einer Vielzahl an Publikationen, unter anderem zur politischen Kultur Anhalts im 18. Jahrhundert und zu den Reformideen Leopolds III. Friedrich Franz, hat er das Gartenreich als bewusst gestalteten Bildungs- und Denkraum interpretiert. Für ihn war das Gartenreich ein „aufgeklärter Denkraum“, in dem sich Gestaltung, Ethik und politisches Verantwortungsbewusstsein verbinden.

Diese Sichtweise brachte Prof. Dr. Hirsch mit großer Klarheit in die Arbeit des Kuratoriums der Gesellschaft der Freunde ein. Er setzte sich sowohl für den nachhaltigen Erhalt der historischen Substanz als auch für eine Vermittlung ein, die die geistigen Grundlagen des Gartenreichs sichtbar macht. Wiederholt hob er hervor, dass sich das Gartenreich „nur aus dem Geist der Aufklärung heraus wirklich erschließt“ – eine Formulierung, die sich sinngemäß durch mehrere seiner Studien zur Dessauer Reformkultur zieht.

Sein Engagement war geprägt von Sachlichkeit, historischer Genauigkeit und einem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem kulturellen Erbe. Für Hirsch war die Bewahrung des Gartenreichs stets auch eine ethische Aufgabe: Der Umgang mit diesem Erbe bedeute Verantwortung für die Werte, aus denen es hervorgegangen ist.

Die Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs verliert mit Prof. Dr. Erhard Hirsch einen hochgeschätzten Mitstreiter und einen tiefgründigen Interpreten der Dessauer Aufklärung. Sein Denken und sein Wirken für das Gartenreich werden fortleben.

Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren.